Wettbewerb Am Kreisel Ludwig-Kick-Str. / Kemptener Str., Lindau

Blick- und Wegebeziehungen, städtebauliche Kanten und Fluchten und der Wunsch nach einem
klaren, schnörkellosen Stadtbaustein formen unsere Gebäudekontur. Raumprägend am Kreisverkehr
bildet der eigenständige Baukörper einen Ankerpunkt in der Kemptener Straße, formuliert einen klaren
Akzent am nördlichen Ortseingang, nimmt dabei aber gleichzeitig Rücksicht auf die benachbarte
Wohnbebauung, ein Scharnier zwischen all den umliegenden Architekturen mit unterschiedlichsten
Nutzungen, Impulsgebend für den umgebenden Siedlungsbestand.
Der zweigeschossige Sockel unserer Neubebauung nimmt die Traufhöhe der südwestlich
benachbarten Zeilenwohnbebauung auf, die Gebäudeflucht an den Giebelseiten der unmittelbar
angrenzenden Hauszeile führen wir fort, an den Gebäudeecken übernehmen wir die Gebäudebreite
der Hauszeile in unseren Baukörper und nicht zuletzt reagieren wir auf den Gebäudeversatz und den
daraus resultierenden Fassadenknick des Bestands und spiegeln diese Situation im Neubau, mehr
städtebaulicher Respekt ist kaum denkbar. Die Bestandsbäume bleiben zudem uneingeschränkt
erhalten.
Als nördliche Fassadenflucht verlängern wir die ankommenden Ludwig-Kick-Straße, im Südosten ist
es die Parallele zur gegenüberliegenden Bebauung, im Osten die Lotrechte zur Ludwig-Kick-Straße.
Dann die Überhöhung!
Abgerückt von der Wohnbebauung, hin zum Tanner-Kreisel überkragt der IV-geschossige, annähernd
quadratische Baukörper den zweigeschossigen Sockel und setzt hier ein signifikantes städtebauliches
Zeichen. Die Höhe in Verbindung mit der Auskragung fasst den Ort, definiert Stadtraum und ist
einfach nur schön. Kein Fassadenwechsel, kein Materialmix, eine bildhauerisch monolithische
Skulptur ganz ohne unnötiges Zierwerk.
Konsequent folgt die Grundrissstruktur der klaren städtebaulichen Haltung. Der Einkaufsmarkt zeigt
sich zum Kreisel, unter der Auskragung ist sein Zugang, hier kann auch ohne weiteres eine kleine
Außenbewirtschaftung siedeln. Der Eingang zu den Obergeschossen seitlich entlang der Ludwig-Kick-
Straße und die Anlieferung des Marktes im Südwesten auf der Rückseite, gefasst im Gebäudeversatz.
Die Einfahrt zur zweigeschossigen Tiefgarage in der Kemptener Straße, die Ausfahrt in die Ludwig-
Kick-Straße gegenüber. Hier auch die Umfahrt der Lieferfahrzeuge mit realistischer
Rangiermöglichkeit und wettergeschützter Anlieferung.
Das erste Obergeschoss bietet Nutzungsoffenheit. Eine weitere Marktnutzung, räumlich verbunden
oder eigenständig, in Teilen oder ganzflächig, eine Büronutzung, eine Praxisnutzung wie exemplarisch
dargestellt - ganz egal – flexible Belegung nach Erfordernis. Der grüne Innenhof sorgt für zusätzliche
Belichtungsqualität. Die Nebenräume der Marktfläche sind über ein eigenständiges Treppenhaus mit
Aufzug vom Erdgeschoss aus erschlossen.
Die Grundrisstypologie der weiteren Obergeschosse ist denkbar klar, übersichtlich und funktional, ein
innerer Erschließungskern mit Treppe, Aufzügen und den erforderlichen Nebenräumen, ein äußerer
Bürobereich entlang der Fassaden, in unterschiedliche Raumkonfigurationen flexibel teilbar. Im
zweiten Obergeschoss ist auch eine Gastronutzung gut denkbar, die große Dachfläche verführt zu
einer Außenbewirtschaftung, ebenso ist aber auch eine gemeinsame Freiflächennutzung aller
Obergeschosse machbar, kleine Grundrissmodifikationen lassen alle Optionen offen, der Blick über
die Tanner-Wiese verlockt so oder so.
Wohnnutzung im Obersten oder auch noch darunter ist ohne weiteres realisierbar, der Grundriss ist
kompakt und flexibel, so dass auch ein späterer Nutzungswechsel gelingt.
Durch eine Fassadenüberhöhung über dem VI Geschoss siedelt ganz selbstverständlich die
notwendige Technikfläche funktional richtig an höchster Stelle, gut blickgeschützt.
Wir hüllen das Gebäude in ein elegantes, räumlich beeindruckend tiefes Fassadenkleid, Architectural
Terracotta, eine glasierte Tonfassade ist die richtige Wahl.
Die fein gegliederten Laibungen in wechselnder Richtung erzeugen sehr subtil ein durchgängig
zusammenhängendes Fassadenbild mit hohem Alleinstellungsmerkmal und Strahlkraft.
Alles in Allem eine klar strukturierte Gebäudekubatur die sich durch seine durchgängige
Maßstäblichkeit in die Umgebung fügt und gleichzeitig eine sichtbar eigenständige Adresse für die
zukünftigen Nutzer definiert.

Auslober:

bpm gesellschaft für bauprojektmanagement mbh

Wettbewerbsart:

Hochbaulicher Realisierungswettbewerb nach RPW

Jahr:

2018

Team:

Peter Fink
Philipp Fink