2. Preis

Wettbewerb Wohn- und Geschäftshaus Karlstrasse / Ensingerstrasse, Ulm

Die Mächtigkeit des Karlsbau auf der Einen, die Kleinteiligkeit der Bebauung in der Ensingerstraße auf der anderen Seite, die Gebäudeflucht des Karlsbau nach städtebaulicher Auffassung der 90'er Jahre zurückgesetzt, die der anschließend westlichen Gebäude noch auf ursprünglicher Linie. Dazwischen das neue bauliche Gelenk, ein Vermitteln zwischen den sich wandelnden städtebaulichen Auffassungen und den umgebenden Gebäudehöhen, eine notwendige städtebauliche Reparatur!
Wo aber ist der richtige Ort für den Wechsel der Gebäudefluchten? Die Parzellengrenze ist es nicht, hier wirkt er sehr zufällig, fasst Halbe Halbe in der Karlstraßen-Fassade der beiden benachbarten Gebäude Karlsbau / Neubebauung. Vielmehr muss der Sprung der Gebäudefluchten unserer Überzeugung nach die Mündung Ensingerstraße markieren. Am eindrücklichsten gelingt dies durch die Aufnahme und Fortsetzung der Gebäudetiefen der Ensingerstraße, wir formulieren einen klaren Gebäudekopf der seiner Vermittlerrolle gerecht wird. Auch die Höhenfluchten spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Natursteinattika der Fassade Karlsbau ist für uns das angestrebte Maß für die V-geschossige Attika der Neubebauung, dies gelingt exakt. Das oberste Geschoss des Karlsbau überragt diese Attikahöhe um ein Geschoss, ein durchgängig verglastes, leicht zurückgesetztes Geschoss das mit einem gering geneigten Satteldach gedeckt ist endet im Westen wenig attraktiv als Brandwand und zeigt den Dachanschnitt. Dem setzen wir unser Staffelgeschoss gegenüber das nicht traditionell einen durchgängigen Rücksprung entlang der Karlsstraße formuliert, vielmehr den einen Gebäudeteil V-geschossig belässt und den quergestellten Gebäudeteil um ein Geschoss überhöht ausbildet, genau im zulässigen Verhältnis ¼ I ¾ der Grundflächen. Der Gebäudeübergang gelingt auf einfache Art und Weise und schließt den Karlsbau im Westen in gesamter Höhe mit einer wertigen Fassade ab.
Das gleiche Prinzip des Staffelgeschosses wenden wir an der Gebäudeecke an, nicht ein durchgängiger Rücksprung sondern eine eher skulpturale Überhöhung des Eckes zugunsten der ungestörten V-Geschossigkeit entlang der Karlstraße ist unsere städtebauliche Antwort an exponierter Stelle. Gebäudevorsprung und Überhöhung, zwei Merkmale die die Ecke klar und eigenständig definieren.
Der Übergang zu den benachbarten Doppelhäusern in der Ensingerstraße gelingt durch eine III-Geschossigkeit mit zurückgesetztem Staffelgeschoss. Traufhöhe und Staffelgeschoss überführen die Gebäudekörnung mit steilem Satteldach des Nachbars ohne Anbiederung in die Neubebauung.
Die Westfassade des Baukörpers im Hof entspricht der Baugrenze des B-Plans, lediglich im Erdgeschoss überschreiten wir die Linie um 1,5m, die Tiefe der im Obergeschoss auskragenden Balkone und damit untergeordneten Bauteile. Eine unseres Erachtens geringfügige Abweichung ohne Einfluss auf nachbarschützende Anliegen.
Die Erschließungsstruktur ist klar. Die flexibel teilbare Gewerbeeinheit ist direkt von der Karlstraße erschlossen - hier ist bei Bar- oder Restaurantnutzung auch eine Außenbestuhlung sehr gut vorstellbar – die Wohnungen in den Obergeschossen über zwei separate Treppenhäuser im Hof von der Ensingerstraße. Wir wollen den Durchgang beibehalten, der Hof soll Erschließungs-, Kommunikations- und Spielfläche in Einem sein. Eine Baumreihe gliedert und schafft einen Naturfilter zur Nachbarschaft. Im Hof kommen die Bewohner auch mit dem Fahrrad an, das ist uns wichtig! Ein großer Fahrradabstellraum schafft optimale Voraussetzungen. Das Abstellen der Fahrräder in der Tiefgarage und der damit verbundene Umweg über die Wilhelmstraße, das Ankommen im Untergeschoss erscheint wenig attraktiv. Müll- und Wertstoffe sind ebenfalls ebenerdig positioniert, ganz einfach, ganz selbstverständlich.
Natürlich ist im Erdgeschoss der Ensingerstraße auch eine Wohnung denkbar – also Fahrradparken in der Tiefgarage - die gewerbliche Überhöhe lässt konstruktiv ein Hochparterre zu. Auch könnten die Müll- und Wertstoffräume zugunsten einer Gewerbeflächenmehrung im Untergeschoss positioniert sein, konzeptionell sehen wir jedoch in der vorgeschlagenen Lösung eine hohe Qualität für die Bewohnerschaft.
Das Verhältnis Geschossfläche zu Wohn- / Gewerbefläche liegt bei wirtschaftlichen 0,79, bei Realisierung der Fahrrad- und Müllräume im UG sogar bei 0,83, eine sehr hohe Effizienz!
Der geforderte Wohnungsmix aus Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen gelingt exakt. Jede Wohnung verfügt über eine Loggia, zu den Straßenseiten mit einem dreiteiligen Ganzglasschiebeelement schall- und windgeschützt.
Der zweite Rettungsweg gelingt auf einfache Weise, alle zu den Straßen orientierten Wohnungen können angeleitert werden, die Wohnungen zum Hof verfügen mit dem nördlichen Treppenhaus über zwei bauliche Rettungswege, eine aufwendig mechanische Sicherheitstechnik ist somit nicht notwendig.

2. Preis

Auslober:

Realgrund AG

Wettbewerbsart:

Mehrfachbeauftragung

Jahr:

2018

Team:

Peter Fink
Philipp Fink